Facebook-Verbot oder Knast?

facebookDas Münchner Amtsgericht hat ein ungewöhnliches Urteilt gefällt. Ein Heranwachsender hatte Schülerinnen sexuell genötigt und bedroht. Das Urteil: 2 Jahre bedingte Jugendstrafe. Bewährungsauflage (neben anderen):  6 Monate Facebook-Verbot, WhatsApp-Verbot, Instagram-Verbot, etc.

 

Sachverhalt: Der Angeklagte hat andere Schülerinnen im Internet bloßgestellt und sie genötigt. Einer Schülerin drohte er mit den Hells Angels, wenn sie sich nicht beim Masturbieren mit dem Telefon filmt. Den Film stellte der Angeklagte ins Internet. Bei anderen Mädchen forderte er Nacktbilder ab und stellte sie ins Netz. Manche der Mädchen titulierte er auf sozialen Netzwerken als Huren, veröffentliche deren Handynummern und forderte andere auf, die Mädchen zu stalken. Pornobilder, die er seiner Ex-Freundin abgepresst hatte, landeten ebenfalls auf Facebook. Auch sonst verhielt er sich online auffällig. So stellte er ein Hakenkreuzbild ins Netz und schrieb Hetzparolen gegen Ausländer.

Den Grund für sein Handeln benannte der Angeklagte auch. Er wollte die Schülerinnen bestrafen, weil sie über ihn gelästert haben. Die Mädchen sind nun gebrandmarkt.

 

Die Staatsanwalt warf dem Jugendlichen vor, das Ausmaß seiner Taten nicht begriffen zu haben. Die Süddeutsche Zeitung zitierte den Ankläger: “Sie haben Leute, die ihnen nicht passten, einfach fertiggemacht.” Die Mädchen, deren Bilder er im Internet zur Schau gestellt hatte, seien “für ihr Leben gestraft”. Der Verteidiger schlug eine Bewährungsstrafe vor, die einen “Warnschussarrest” beinhalten sollte, während der Staatsanwalt auf drei Jahre Jugendhaft plädierte.

 

Das Münchner Schöffengericht verurteilte den 21-Jährigen zu einer zweijährigen Jugendstrafe auf Bewährung. Zunächst muss er vier Wochen Haft absitzen. Daran schließt sich die Bewährungszeit an, die an Auflagen gekoppelt ist. Ein halbes Jahr lang darf er keine sozialen Netze nutzen und muss seine derzeitigen Nutzerkonten bei Facebook, WhatsApp und Instragram löschen. Das Gericht verpflichtete ihn weiterhin, eine Sexualtherapie zu machen und den beiden am intensivsten geschädigten Schülerinnen jeweils 1500 Euro Schmerzensgeld zu zahlen. Außerdem kommen 100 Stunden gemeinnützige Arbeit dazu, die er ableisten muss. Erfüllt er alle Auflagen, bleibt die Haftstrafe zur Bewährung ausgesetzt.

 

Bereits im Jahr 2011 begann der Münchner damit, andere Personen zu bedrohen, zu beleidigen oder zu verleumden. Auch sexuelle Belästigungen nahmen ihren Anfang. Ein erstes Ermittlungsverfahren, das ihm eine richterliche Mahnung einbrachte, hatten keine abschreckende Wirkung. Er steigerte sich stattdessen, indem er ab 2012 massiv gegen sechs junge Mädchen vorging. Nur eine davon kannte er persönlich, alle anderen Kontakte bahnte er über Facebook oder WhatsApp an.

 

 

Ob den Mädchen das Schmerzensgeld nützt? Das Internet vergisst doch nie!

 

 

Thomas Penneke

Strafverteidiger Rostock

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