Unfallflucht

Heute möchte ich ein besonderes Thema aus dem Verkehrsrecht allen ans Herz legen. Es geht um die Unfallflucht. Diese kann nicht nur teuer werden, sondern auch verheerend für den “Flüchtigen”, denn er kann seinen Führerschein verlieren.

Schnell ist es geschehen, wenn man unaufmerksam im Parkhaus unterwegs ist oder zu stürmisch einparkt. Man fährt gegen ein anderes KfZ und beschädigt dieses.

Als Fahrer ist man schockiert. Sieht sich um und ist der Überzeugung, dass das keine gemerkt hat. Man sieht sich den Schaden noch an und “begutachtet”, dass dieser ja nicht so hoch sei. Dann entschließt man sich plötzlich: Ich hau ab! Ganz sang- und klanglos verabschiedet man sich aus der Situation.

Der Eigentümer des anderen Fahrzeug kommt später und stellt den Schaden fest. Er ist erbost und ruft die Polizei. Die kommt, stellt den Schaden fest und bringt dies zur Anzeige. Es werden auch Partikel vom Kratzer genommen und festgestellt, dass da Farbreste sind, die nicht vom beschädigten Wagen stammen können. Die Ermittlungen laufen an. Es meldet sich gleich ein Zeuge, die Kamera des Parkhauses hat aufgezeichnet, Videoaufnahmen werden sichergestellt, …. Peng! Der Schädiger wurde über das gesichtete Nummernschild ermittelt.

Und nun? Jetzt ist das Geschrei groß. Es folgt die Vorladung, schlimmer noch: die Polizei sucht einen zu Hause auf. Die Nachbarn tuscheln. Vielleicht wird man auch mitgenommen. Auf den Schreck hat man noch was getrunken und muss pusten (das wäre jetzt aber ein zu weit reichendes Thema). 😉

Die Folgen, die der § 142 Abs. 1 StGB bereit hält, sind:

Ein Unfallbeteiligter, der sich nach einem Unfall im Straßenverkehr vom Unfallort entfernt, bevor er

1. zugunsten der anderen Unfallbeteiligten und der Geschädigten die Feststellung seiner Person, seines Fahrzeugs und der Art seiner Beteiligung durch seine Anwesenheit und durch die Angabe, daß er an dem Unfall beteiligt ist, ermöglicht hat oder
2. eine nach den Umständen angemessene Zeit gewartet hat, ohne daß jemand bereit war, die Feststellungen zu treffen,
wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

Man sieht, es kann auch Knast geben. Wenn der Schaden nicht zu hoch ist, wird das Verfahren (wenn man keine Vorstrafen hat) meist gegen eine Geldauflage gemäß § 153 a StPO eingestellt. Es kann aber schon im Strafbefehlswege eine Geldstrafe geben. Aber nur, wenn man nichts weiter auf dem “Zettel” hat.

Ich lasse hier mal bewusst die Punkte für Flensburg weg.

Bei einem Schaden von 1.000 EUR und mehr wird es haarig. Denn jetzt droht einem neben der Strafe der Führerscheinentzug. Der Führerschein ist wohl das Wichtigste nach der Freiheit, dass ein Mensch verlieren kann.

Deswegen:

Wer einen Unfall verursacht hat, muss dies dem Geschädigten unverzüglich (ohne schuldhaftes Zögern) mitteilen. Er kann auch die Polizei verständigen, wenn er nicht so lange warten will.

Wenn man als Schädigen die Polizei ruft, wird man dann später noch wegen einer Ordnungswidrigkeit belangt, aber man ist auf der sicheren Seite.

Es reicht keinesfalls aus, dass man seine Visitenkarte hinterlässt. Falsch ist auch, dass man grundsätzlich 24 Stunden Zeit hat, den Unfall zu melden. Dazu lesen wir mal § 142 Abs. 4 StGB:

Das Gericht mildert in den Fällen der Absätze 1 und 2 die Strafe (§ 49 Abs. 1) oder kann von Strafe nach diesen Vorschriften absehen, wenn der Unfallbeteiligte innerhalb von vierundzwanzig Stunden nach einem Unfall außerhalb des fließenden Verkehrs, der ausschließlich nicht bedeutenden Sachschaden zur Folge hat, freiwillig die Feststellungen nachträglich ermöglicht (Absatz 3).

Wir lesen mal richtig: kann absehen und nicht bedeutender Schaden!

Auf Deutsch: Der Richter muss nicht von der Strafe absehen. Es darf auch kein hoher Schaden vorliegen.

Achtung! Wer abhaut, kann auch seinen eigenen Versicherungsschutz verlieren, denn die Unfallflucht wird von den Versicherern als vorsätzliche Verletzung der Aufklärungspflicht gewertet.

Wenn man sich dann an einen Strafverteidiger wendet, kann man vielleicht noch was retten.

Bei weiteren Fragen wenden Sie sich gern an mich! Ihre Verteidigung in einer solchen Angelegenheit übernehme ich gern.

Thomas Penneke

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