Manche Beleidigungen wachsen im Wald. Zumindest sprachlich: Die Natur kennt Pilznamen, die sich anhören, als seien sie direkt aus einem Streitgespräch entnommen worden.
Wer durch den Wald spaziert, kann erstaunliche „Beschimpfungen“ entdecken: Stinkmorchel – Satansröhrling – Eierwulstling. Oder besser noch: Grüner Giftwulstling – Breitblättriger Holzrübling – Bauchweh-Koralle. Keine Wutrede – sondern ganz offiziell Pilznamen. 😉
Sachverhalt
Die deutsche Pilzflora ist reich – nicht nur an Arten, sondern auch an kuriosen Namen. So finden sich im Wald unter anderem Pilze mit folgenden Bezeichnungen:
- Stinkmorchel, Satansröhrling, Teufelszunge, Schweinsohr, Totentrompete
- Blutroter Hautkopf, Bleiweißer Trichterling, Dottergelber Klumpfuß, Flaschenstäubling, Grüner Giftwulstling, Frauen-Täubling.
- Anis-Klumpfuß, Bitterer Schleimkopf, Duftender Risspilz, Gallenröhrling, Rosenduft-Feuerschwamm.
- Breitblättriger Holzrübling, Düngerling, Feld-Trichterling, Frühjahrslorchel, Gewächshaus-Schirmling.
- Bauchweh-Koralle, Gift-Häubling, Fliegenpilz, Fleischrosa Giftschirmling.
- Affenkopfpilz, Schmutziger Rötling, Eierwulstling.
Welcher gefällt Ihnen am Besten? 😀
Viele dieser Namen gehen auf Geruch, Form oder Farbe zurück. Die Stinkmorchel (nicht “der”) etwa verströmt einen intensiven Aasgeruch, der Insekten anlockt und so ihre Sporen verbreitet. Andere sind giftig und gefährlich.
Was für den Pilz biologisch sinnvoll ist, klingt für menschliche Ohren allerdings eher nach einer ausgewachsenen Beschimpfung. Der Effekt ist deshalb fast zwangsläufig: Wer diese Namen zum ersten Mal hört, könnte glauben, sie stammten eher aus einem Wutanfall als aus der Botanik.
Rechtlicher Hintergrund
Im Strafrecht kann eine solche Bezeichnung durchaus problematisch werden.
Der Tatbestand der Beleidigung (§ 185 StGB) schützt die persönliche Ehre. Entscheidend ist, ob eine Äußerung geeignet ist, den Betroffenen herabzuwürdigen.
Wird jemand also gezielt als „Stinkmorchel“ oder „Satansröhrling“ tituliert, kann das im Einzelfall durchaus eine strafbare Beleidigung darstellen. Im Wald dagegen bleibt die Sache straflos – dort ist es schlicht Biologie. Der Düngerling ist da schon speziell. 😉
Meinung & Schluss
Die Pilznamen zeigen vor allem eines: Die Natur ist sprachlich deutlich ehrlicher als viele Menschen.Früher hat man Dinge einfach beim Namen genannt.
Wenn etwas stank – dann hieß es Stinkmorchel.
Wenn etwas düster aussah – dann eben Satansröhrling.
Heute dagegen wird selbst die harmloseste Kritik sofort zur Staatsaffäre erklärt. Worte werden seziert, beleidigte Seelen (vor allem unsere Politiker) suchen den Strafantrag schneller als früher der Pilzsammler den Korb. Vielleicht täte uns ein bisschen Pilzwald-Mentalität ganz gut.
Denn eines steht fest:
Im Wald gibt es Stinkmorcheln – und niemand regt sich auf.Im Internet dagegen reicht manchmal schon ein einziges Wort, und sofort wird nach Staatsanwalt, Strafanzeige und moralischer Empörung gerufen.
Die Pilze bleiben dabei erstaunlich gelassen. 😉
Mir gefallen am Besten: der Gift-Häubling, die Frühjahrslorchel und der Eierwulstling. 🙂 Und Ihnen?